it's over

Es ist Freitag und seit zwei Tagen hat das Lotterleben wieder angefangen. Mittwoch war mein letzter Arbeitstag im Verlag und der gewohnte Tagesrhythmus ist erst einmal vorbei. Dieser Umstand hat sich sofort in einem sehr späten zu-Bett-gehen irgendwann gegen 4 und einem späten Aufstehen gegen 11 unter der Woche manifestiert. Im Verlag war ich zwar auch nur im Oktober durchgehend zum Arbeitszeitbeginn pünktlich, doch ganz so spät nun auch wieder nicht.
Generell ist das mit den Arbeitszeiten flexibel gehandhabt worden, Hauptsache, man ist seine sieben Stunden im Verlag. 9.00 Uhr war eher als Richtwert mit Toleranzbereich zu sehen. Das kam mir sehr zu pass. Vor um 9 überhaupt aufzustehen ist schon schwer und zu der Zeit am Arbeitsplatz zu sein noch schwerer. Ich hab' in der Regel gegen 9.15 Uhr angefangen. Pünktlichkeit ist eine Zier, nur abhanden gekommen ist sie mir.

Das Praktikum ist vorbei und es fiel mir alles andere als leicht am Mittwoch den letzten Arbeitstag anzutreten. Mit zwei Kuchen und einem Pestobrot unter den Armen. Natürlich alles selbst gemacht, der Abschied sollte schließlich auf eine adäquate kulinarische Art und Weise von statten gehen. Der Verlag bereitete mir in der Form ein Abschiedsgeschenk, als dass er mich mit einer Abschiedskarte, Schokoleckerlis und etwas äußerst Praktischem segnete. Und zwar Fahrradgamaschen. Der Barfußtag im Verlag hat Spuren hinterlassen.
Es waren fünf klasse Monate, in denen ich das Projekt Vogelsbergkarte zusammen mit Astrid allein entworfen und bearbeitet habe und bis zum Druck begleiten konnte. Auf der ITB werde ich die verkaufsfertige Karte in den Händen halten. Neben der kartographischen Arbeit habe ich allerhand redaktionelle Sachen gemacht, wie gelieferte Entwürfe bearbeiten und anpassen, Texte redigieren, druckfertige Entwürfe auf thematische Korrektheit prüfen und Signaturenrecherche für die RTK-Serie betreiben. Zum Verständnis, RTK heißt Radtourenkarte und die 27 Blätter im Maßstab 1:150.000 decken das gesamte Bundesgebiet ab. Ich hab mich mit der RTK 11 (Ostwestfalen/ Sauerland) und 02 (Hamburg/ Holstein) befasst. Insofern werden diese Blätter meine persönliche Note tragen, denn jeder bewertet z.B. Sehenswürdigkeiten anders. Archivarbeit blieb auch nicht aus und nebenbei noch etwas Öffentlichkeitsarbeit. Es wurde mir viel Verantwortung übertragen und ich habe die Herausforderung gerne angenommen.

Der sehr hohe Wohlfühlfaktor beim BVA begründete sich in der großartigen Arbeitsatmosphäre. Ich konnte mit ganz tollen Kollegen zusammenarbeiten und fühlte mich recht schnell nicht mehr als temporäre Arbeitskraft, sondern als langjähriger und anerkannter Kollege. Besondere Freude bereitete mir der Umgang mit meinem Cheffe Thomas. Wir pflegten ein sehr lockeres, unkompliziertes und antiautoritäres Verhältnis; witzelten und frotzelten herum. Für einen Außenstehenden hätte das an einigen Stellen bestimmt respektlos gewirkt, doch genau diese Art und Weise des Umgangs hat stets zusätzlich motiviert. Es war sehr harmonisch. Für mich der weitaus bessere Ansatz, als ein auf Distanz bedachtes Konzept der Mitarbeiterführung.

Fazit: Es war genau richtig dieses Praktikum angegangen zu sein und ich hätte das Angebot, doch noch etwas länger zu bleiben, auch gerne angenommen, zumal ich das Bedürfnis habe noch so viele Dinge zu Ende bringen zu müssen und zu wollen. Mit dem neuen Praktikanten Andreas steht jedoch eine patente Nachfolge parat. Er ist seit zwei Wochen dabei und ich durfte ihn einarbeiten.

Das Studium muss zunächst zu Ende gebracht werden. Jetzt steht das Projekt China auf der Tagesordnung. Diese Möglichkeit nach Asien zu reisen hätte ich ungern ausgeschlagen. In erster Linie brauche ich aber für die Studienordnung noch ein Projekt in Geographie und jenes wird sich in den kommenden zwei Semestern mit Landdegradation in China beschäftigen. Im Sommer findet dazu eine dreiwöchige Exkursion ins Reich der Mitte statt. Ich will schon etwas früher hinfahren (vielleicht ein bisschen länger bleiben) und mir Tibet anschauen, solange es die Han-Chinesen noch nicht vollständig platt gemacht haben.

Morgen ist dann eine Abschiedsfeier in der WG/ im Hause Gonska angesagt und Montag geht's wieder nach Berlin.
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Orte in Deutschland

Im Laufe der Bearbeitung von großen Gebieten in Deutschlands Zentrum fallen zwangsläufig einige kuriose Ortsnamen ins Auge. Kurz vor Ende meines Praktikums will ich nun einige Knaller hier posten. Sozusagen ein Best of. Die meisten stammen aus dem Hesselande.

  • Faulebutter
  • Sterbfritz
  • Bösgesäß I und II (beide Orte haben jeweils schätzungsweise 50 Einwohner)
  • Dreck
  • Auf dem Elende (neben Faule Stunde)
  • Nachbarschulte
  • Würgendorf
  • Warzenbach
  • Geilshausen
  • Linsengericht
  • Katzenellnbogen
  • Dagobertshausen
  • Himmelreich
  • Bleiwäsche
  • Irmtaut
  • Mastbruch
  • Kamerun
  • Rußland
  • Ägypten
  • Herrlichkeit
  • Kuckuck
  • Hörgenau (direkt neben Lauterbach)
  • Machtlos
  • Lieblos

Welche Weiler/ Dörfer/ Städte sind eure Favoriten?
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Ungehorsam gegen den Staat

Jetzt hat's mich erwischt und das allseits hochverehrte und beliebte Staatsorgan in Form der Polizei gibt sich der Lächerlichkeit preis!

Man nehme eine Straße und einen bereits gefällten Baum. Der liegt von links nach rechts quer über der Straße, der rechte Bürgersteig ist frei. Vor dem Baum stehen zwei Warndreiecke "Achtug Baumarbeiten". Die Arbeiter sägen links ein bisschen an den Ästen rum. Auf der rechten Seite ist nicht der Hauch einer Gefahr zu spüren, es sei denn man glaubt daran, dass einem der Himmel auf den Kopf fallen könnte.
Ich also rechts an der vermeintlichen "Gefahrenzone" vorbei. Problematischerweise stand dort so ein Aggressor von Polizist im Weg. Bierbauch, an die sechzig und mit einer roten Stoppkelle in der Hand. Ich denke mir nur, so ein Scherzkeks. ABM für die Polizei und will an dem vorbeifahren. Leider war sein Reaktionsvermögen noch ziemlich gut ausgeprägt und er schnappte mich. Überdies war er ein Polyp von der Sorte "wenn-du-mir-wiedersprichst,-dreh ich durch". Jegliche Argumentation ob der Lächerlichkeit und Albernheit diese Passage als hochbrisante Gefahrenzone einzustufen, war zwecklos. Wie reizt man einen Polizisten am effektivsten? - Indem man seine Autorität unterwandert. Manchmal fragt man sich, ob sie dem Bürger jegliche Eigenverantwortung, jegliches Einschätzungsvermögen und Verantwortungsbewusstsein absprechen wollen. Natürlich tun sie es.

Mit hasserfüllten Blicken hat der Typ mich dann aufs 20 m entfernte Revier begleitet. Missachtung von Zeichen - Anzeige, das Strafgeld ist nicht wenig und 3 Pünktchen in Flensburg. Immerhin war der Kollege auf dem Revier nett und hatte meiner Meinung nach auch etwas Verständnis. Völlig klar, wieso der Andere draußen den Abfangjäger mimte. Natürlich bin ich was die Aktion betrifft im Unrecht, doch das Verhalten vom Polizisten war affig. Naja, die wollen halt verdienen.

Die Krönung war jedoch die Situation, als ich wieder auf die Straße trat. Ein Opa, auf jeden Fall über 70, fuhr mit Schrittgeschwindigkeit an den Baum heran, schwenkte auf den Bürgersteig und wollte rechts vorbeifahren. Selbstverständlich wurde auch er von dem polizeilichen Menschenfreund mit dem eindringlichen Hinweis angehalten, doch bitte die "Gefahrenstelle" über die Seitenstraßen zu umfahren. Dieser zwanghaft Gesetzestreue hätte durchaus etwas Größe walten und den Opa durchfahren lassen können, denn 2 m dahinter war diese Gefahrenstelle nicht mehr existent.
Die Polizei tut sehr viel, um ihr Öffentlichkeitsbild zu verbessern.
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Frühling in Paderborn

Der Freitag hat es angekündigt, der Samstag hat es gehalten. Herrlichster Sonnenschein bei sehr milden 10°C. Es war wie Frühling. So warm, so schön, so sonnig. Die Temperaturen gab's zwar zuletzt des Öfteren, doch waren sie stets mit nässendem Niederschlag verbunden.
Diesmal nicht und endlich konnte das Jucken in den Waden in Form eines längeren Ausritts befriedigt werden.



Ziel sollte Paderborn sein, die Stadt an der unglaublich langen Pader. Ganze 4 km misst der Fluss, ehe er in die Lippe mündet und somit der kürzeste Fluss Deutschlands ist. Das Wort "Pader" in Paderborn wäre geklärt und "born" kommt auch nicht von ungefähr, denn die Pader ist in Paderborn gebor'n. Das Quellgebiet befindet sich direkt in der Stadt.


Schloss Holte

Die Lichtfilterfunktion Radlerbrille auf der Nase sorgte für Dauerwohlfühlstimmung in den warmen Farben der Tagesstimmung eine Stunde vor Sonnenuntergang. Luftlinie liegt Paderborn nur 40 km entfernt, mit dem Auto fährt man 50 km, mit dem Rad auf dem Teuto-Senne ganze 75 km. Ein Zickzackkurs, der fast nie geradeaus führt. Das Vorhaben die Rückstrecke ebenfalls pedalierend zu bewältigen starb einen langsamen Tod und beschränkte sich auf den Abschnitt Hbf Bielefeld - zu Hause.


die Pistensau

Spätestens im Landkreis Paderborn drängte sich ein religiöses Element der Infrastruktur in den Vordergrund und leistete hartnäckigen Widerstand übersehen zu werden. Allerlei kirchliche Bauten von Wegkreuzen bis zu kleinen Kapellen säumten die Straße und baten vergebens um Anbetung und Verehrung. Der Übergang vom konfessionell eher gespaltenen Bielefeld zum erzkatholischen Paderborn war vollzogen.



Wieso eigentlich Teuto-Senne? Teuto ist klar, die Senne ist ein weiterer prägender Landschaftstyp. Aus geographischer Sicht sehr interessant, da es sich um eine riesige Sandfläche aus Ablagerungen der vorletzten Eiszeit handelt. Der üppige Kiefernbewuchs erinnerte doch stark an Brandenburg und ich kann nicht leugnen, dass sich heimatliche Gefühle in mir einnisteten.
Aus Autofahrersicht ist die Senne eher ein Hindernis, da weite Teile Truppenübungsplatz sind und nur zu auserwählten Zeiten passiert werden dürfen. Die militärische Nutzung soll allerdings bald vorbei sein. Die Folgenutzung ist bereits geklärt - Deutschland wird mit einem weiteren Nationalpark beglückt werden, dem Nationalpark Senne-Egge.


die Quellen der Ems

Im Sennegebiet entspringt die Ems, die bei Emden in die Nordsee fließt. Hier ist sie nichts weiter, als ein Sickerwasserstrom. Ganz unscheinbar, wie das Quellen so an sich haben.


Schloss Neuhaus

Der letzte Teil der Tour begleitete die Pader von Schloss Neuhaus nach Paderborn, so dass ich behaupten kann, die gesamte Pader abgefahren zu sein. Auch ein sehr schöner Streckenabschnitt durch Auenlandschaft, der ein integriertes Nutzungskonzept offenbarte. Relativ naturbelassene Auen-/ Parklandschaft für den Erholungssuchenden Menschen gepaart mit natürlichen Retentionsflächen. Zur besseren Steuerung ist trotzdem ein Ministausee vorgeschaltet worden - der Padersee, der jedoch als See Marke künstlich zu erkennen ist.


der Dom zu Padeborn

Im Zentrum von Paderborn angekommen, musste ich feststellen, dass es eine ziemlich blöde Idee gewesen ist als hauptstädtischer Karnevalsverweigerer am Karnevalswochenende nach Paderborn zu fahren. Die komplette Innenstadt war abgesperrt und die werten Herren der Polizei passten auf die Jecken auf. Die altstädtischen Hauptstraßen liefen vor kostümierten und schlecht geschminkten Karnevalstollen über. Besonders problematisch ist das, wenn man sich von West nach Ost bewegen will, um zu den Sehenswürdigkeiten zu gelangen, die wilde Meute jedoch von Ost nach West unterwegs ist.

Ein paar mehr Fotos sind im Bilderordner zu finden.
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