Abschied von Labrang

So, heute ist der letzte Tag am Kloster und der erste an dem durchgaengig die Sonne schien. Super, 4 Tage mehr oder weniger Regen und nun fantastische Hoehensonne. Naja. Der Durchfall hat sich seit gestern abend manifestiert und hielt heute bisher an. Mittel Nummer eins: fasten und alles muss raus. Demzufolge hab ich heute noch nichts gegessen und bin ziemlich fertig. Fuer die aeussere Kora (Pilgerweg ums Kloster) in den spaeten Abendstunden hat's trotzdem noch gereicht, auch wenn ich beim Aufstieg alle fuenf Minuten Pause machen musste. Die Blicke ins Tal, den Klosterkomplex und den Ort im Allgemeinen haben jedenfalls vollends entschaedigt.

Gestern haben wir es durchgezogen und sind mit dem Taxi zu den ueber 30 km entfernten Graslaendern von Ganija gejuckelt. Die ganze Zeit Nieselregen und bis auf wenige Abschnitte Asphalt fuhren wir auf einer Matschepiste. Gefahr steckenzubleiben bestand jedoch nie. Wir cruisten zu den fast 2000 Jahre alten Ueberresten einer Stadt aus der Han-Dynastie, deren Ueberreste sich in Form einer Stadtmauer aus Lehm praesentierten. Dieses glitschige etwas bestiegen wir sogleich und sorgten fuer das naechste bisschen Erosion. Die meiste Vorarbeit haben allerdings Gefechte zwischen den republikanischen Truppen und den Kommunisten nach 1949 geleistet. Ein Boenkloster und nervige Preisverhandlungen mit den Taxihanseln spater waren wir zurueck im Hostel.

Basti ist mit Christina heute Mittag abgereist, China lasse ich allein ausklingen. Das ist auch ganz gut, so kann ich die verstrichenen ostasiatischen Wochen noch einmal Revue passieren lassen. Morgen frueh reise ich mit dem Bus nach Lanzhou ab und von dort geht es in 22 Stunden in die Hauptstadt Sichuans - Chengdu. Beim Ticketkauf vor fuenf Tagen in Lanzhou, wurde ich wieder Geisel des chinesischen Zugticktsystems. Eigentlich wollte ich mich schon heute auf den Gleisen nach Chengdu befinden, doch alles ausverkauft. Ich kann erst einen Tag spaeter fahren und das im Hardseater. Fast ein ganzer Tag auf der harten Bank. Au Backe. Wie ich mittlerweile herausgefunden habe, bin ich von Xi'an nach Lanzhou auch im Hardseater gefahren. Bedeutet: alle bisherigen Strecken!!! Indgesamt werden das 56 Stunden sein. Doch Zeit zum traeumen bleibt. Die letzte Fahrt von Chengdu werde ich in 32 Stunden im Hardsleeper zuruecklegen. Wie geil ist das denn bitte!

Ausserdem: Um mich herum spielen die jungen Moenche Ballerspiele.

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Fotos von Basti

Der Link zu den Fotos sollte nun funktionieren.

Erste Vidschos von Basti gibt's auf youtube. Versuchts mal mit den Suchbegriffen "bastiausberlin" oder "Karaoke Lanzhou" oder "Labrang Moto".

Auf alle Faelle hier auch ein Link (Karaokeabend), mit dem ihr euch weiterhangeln koennt. Bis jetzt sind 2 Videos online.

http://www.youtube.com/watch?v=OIaISW_uM4Q

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Ausflug ins Grasland

Der Tag startete wie der gestrige mit Regen, doch das sollte unsere Plaene von einem Ausflug in das Sangke Grasland nicht zerstoeren. Schliesslich hatten die beiden englischen Weltreisenden auf meinen Zimmer dort gestern auch Sonnenschein. Wir charterten ein Motodreirad und rasten mit 40 Sachen zum Grasland. Der Himmel blieb im 14 km entfernten Ort bewoelkt, doch spaeter stellte sich Sonnenschein ein. Wir wanderten in einem ausgedehnten Tal eine gute Stunde den Bergen entgegen, umgeben von grasueberzogenen Haengen, die wie aus Samt gemacht schienen und von Wildblumen uebersaet waren. Wir wanderten an grasenden Yakherden vorbei und machten an einem Konglomerat aus Gebetsfahnen eine ausgiebige Pause.

Das Motodreirad war bestellt und wir mussten langsam an den Rueckweg denken, doch der selbe Weg kam natuerlich nicht in Frage. Auf der anderen Talseite konnten wir eine Strasse ausmachen, auf der wir zuruecklaufen wollten. Bedingung: die Durchquerung des Tals. Auf dieser Hoehe fuehren die Taeler Wasser, was zur Folge hatte, dass wir ueber ein paar Baeche springen mussten. Neben uns sprangen die Froesche umher, eine Riesenspinne krabbelte durchs Gras und wir schreckten Adler auf. Doch dann kam der Hauptfluss - 5 m breit und gut einen Meter tief. Umkehren kam nicht in Frage. Basti wollte seine Weitsprugqualitaeten testen und landete einen Meter vor dem Ufer in den Fluten. Kristina und icke wahlten den weniger spektakulaeren Weg, machten uns bis auf die Schluepper (ich zumindest) nackig und querten den schnell fliessenden Bach an einem Drahtzaun entlang hangelnd. Der Weg vom Ufer ins gruen fuehrte durch eine Gasse unter dem dichten Strauchwerk. Eine geile Aktion. Dafuer macht man auch solche Ausfluege.

Von der Strasse weg luden uns Tibeter zum Essen und Tee trinken ein. Es gab Yaktee und viel zu futtern. Irgendeinen Nussbrei mit Butter, ein Reisgericht, Kartoffeln mit Rind-/ Yakfleisch und Yakquark mit Zucker. Letzterer hat wahrscheinlich zu meinem aktuellen flotten Otto gefuehrt. Leider verhiess die Rechnung des Spasses nichts gutes. Die Leute haben uns nicht aus Gastfreundschaft eingeladen, sondern nur aus finanziellen Interessen. Der Preis war masslos ueberteuert und handeln wollten sie auch nicht. Der Tourismus vom Kloster zeigt Wirkung. Morgen wollen wir in die weiter entfernten Graslaender von Ganija.

Uebrigens: Der Basti hat schon fleissig Bilder in Internet gestellt. Einzusehen unter:

http://picasaweb.google.com/boehm.basti/ChinaExkursion2007?authkey=5sgK2-mjg3s

http://picasaweb.google.com/boehm.basti/ChinaUrlaub2007?authkey=1aHkOVCwRK4

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Am Kloster

Gestern Abend der endgueltige Abschied von der Gruppe und damit von der Uni-Exkursion, denn heute morgen um 6.00 Uhr war logischerweise ausser uns drei Busreisenden noch niemand auf den Beinen. Die Busfahrt startere recht kurios. Zwei Uniformierte stiegen ziemlich aggressiv in den Bus ein und wurden dem Busfahrer gegenueber derbe handgreiflich. Sie zerrten, schubsten und schlugen sich. Dazu das Krakele von den weiblichen Busbegleiterinnen und den Maennern selbst. 10 Minuten spaeter setzten wir uns endgueltig in Bewegung und brauchten fuer veranschlagte 6 Stunden lediglich 4. Deswegen konnten wir im ersten Moment auch gar nicht glauben, dass der versiffte Haltepunkt des Busses, die Busstation des Klosterortes ist. War er aber doch und es wurde besser.

Das Viertel der Han-Chinesen ist das dreckigste, das Viertel der chinesischen Moslems ist schon etwas sauberer und hier beginnt die touristische Infrastruktur in Form von Souvenirlaeden, Restaurants und Hostels. Daran schliesst sich der grosse Klosterkomplex an. Ganz im Westen befindet sich der Ortsteil der Tibeter, die um die 50 % der lokalen Bevoelkerung stellen. Der physische Unterschied zu den Chinesen ist offensichtlich. Sie sind braungebrannter, die Schlitzaugen etwas weniger ausgepraegt, das Haar geschmeidiger und generell nach meinem Empfinden ein schoenerer Menschenschlag.

Der ganze Komplex ist sehr schoen in einem Tal auf 3000 m Hoehe gelegen unf voll von Moenchen. Drei kleine Nachwuchskleriker hatten mit uns auf einer Aussichtsplattform ihre helle Freude. Besondere Aufmerksamkeit rief meine Beinbehaarung hervor. Augenscheinlich ist auch der Unterschied zwischen tibetischem und chinesischem Stadtteil. Waehrend sich die tibetische Siedlung in das Tal duckt, waechst der chinesische Part in die Hoehe. Sinnbildlich fuer die Sutuation der Tibeter.

Ausserdem noch eine Anmerkung zu Lanzhou und Arbeit: Es ist aberwitzig mit welchen Jobs die Chinesen versuchen Vollbeschaeftigung zu schaffen. An Kreuzungen mit Ampeln fuer die Fussgaenger gibt es einen Hansel, der mit der Trillerpfeife den ganzen Tag die Passanten darauf aufmerksam macht, dass sie bei gruen erstaunlicherweise die Strasse ueberqueren koennen. Ein anderes Highlight war der Supermarkt, der zur gefuehlten Haelfte mit Supermarktangestellten bevoelkert war. Einer hat gewischt, der andere trockengewedelt. Einer hat das Brot eingepackt, der andere die Tuete verschnuert und am Ausgang signieren sie den ganzen Tag lang die Rechnungen der Kunden. Ergo sehr viele entwuerdigende und schwachsinnige Jobs, die nur existieren, um irgendwie Arbeit zu schaffen. Bei uns gibt's das ja in aehnlicher Form. Anstatt sich darueber Gedanken, dass Arbeit an sich weniger wird und vielleicht nach einer neuen Verteilung von Geld verlangt.

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