nach Zittau
Die Semesterferien sind mittlerweile rum und studieren steht wieder auf der Tagesordnung, umso wichtiger die letzten freien Tage richtig zu genießen. Der Plan sah zunächst vor den Micha von der Dschunkenfahrt aus dem letzten Jahr in Zittau zu besuchen. Doch wie reise ich an? Zug, Mitfahrgelegenheit oder doch selber fahren? Entweder war das umständlich, nicht möglich oder der Preis entsprach nicht meinem Gusto - bis der Micha den Wunsch äußerte doch eine Fahrradtour machen zu wollen. Ergo hab ich spontan beschlossen gleich pedalierend anzureisen, zwar nicht von der eigenen Haustür, sondern von Frankfurt/ Oder, aber immerhin. Stilsicher ist das schon gewesen.
Die Tour verlief konsequent erst an der Oder, anschließend an der Neiße, so wie sich das für den Oder-Neiße-Radweg auch gehört. Vorbei an Ruinen des Sozialismus in Eisenhüttenstadt, Guben und Forst. Die Städte machten einen unterschiedlichen Eindruck, was wahrscheinlich zum Großteil an meinen Durchfahrtzeiten lag. Während mir in Eisenhüttenstadt die zementierten Zeitzeugen der DDR schon von Weitem trostlos entgegen blickten und auch in Fürstenberg (dem alten Stadtkern Eisenhüttenstadts, denn die Stadt trägt erst seit 1961 nach Zusammenlegung von Fürstenberg, Schönfließ und des neu errichteten Wohnviertels Stalinstadt ihren Namen) kaum eine Menschenseele zu sehen war, ist auch in Guben nicht viel Leben zu spüren gewesen - eher noch weniger, wie ausgestorben. Mittagszeit. Ganz anders das Bild in Forst, ein sonnendurchfluteter Nachmittag trieb die Leute an die Neiße und reges Treiben bestimmte das Atmosphäre in den Straßen.
Die zahllosen zerstörten Brücken entlang von Oder und Neiße erinnerten an die Schrecken des 2. Weltkrieges und die zu Hauf patrouliierenden Polizeiautos daran, dass Schlepper und Schmuggler auch abseits der Brücken Wege über den Fluss finden.
Am ersten Tag wollte ich 2/3 der Strecke schaffen und nahm mir demzufolge 150 Kilometer vor. Mir war klar, dass das spät werden könnte. In der Dämmerung erreichte ich Bad Muskau und den sensationellen Landschaftspark des Fürst Pückler (genau, auch Namensgeber für die heilige Dreifaltigkeit der Eiscrème). 30 Kilometer bis zum Camping lagen noch vor mir. Es wurde nicht spät, sonder sehr spät, v.a. nachdem ich mich auch noch verfahren hatte und plötzlich vor einem Schlagbaum stand, dem ein Warnschild Gesellschaft leistete. Sinngemäß war darauf zu lesen - Truppenübungsplatz, Betreten ist untersagt. Vorsicht Blindgänger. Als Alternative hatte ich mir zwar überlegt illegal in der Heide zu nächtigen, nur sollte das möglichst nicht auf einem vergessenen Blindgänger passieren. Gegen 10 Uhr hatte mich schließlich die Lust verlassen bis zum Campingplatz zu fahren und packte mich wild entschlossen in die Botanik.
Am nächsten Tag sollte sich herausstellen, dass das eine feine Entscheidung war, denn der vermeintliche Campingplatz war nicht mehr existent und an der Straße offenbarte sich der Siedlungsbrei auf fünf Kilometer Länge.
Ich war kein bisschen K.O. von der Distanz des Vortags. Die Beine fühlten sich sehr gut an, 1800 km während des Praktikums in Bielefeld machten sich positiv bemerkbar. Der Arsch tat trotzdem weh.
Weiter ging's durch das von einem 1-Millio-Euro-per-Anno-Mäzen gesegnete Görlitz durch die Klosteranlage St. Marienthal nach Zittau. Mittlerweile befand ich mich im Braunkohleabbaugebiet. Die Tagebaue präsentierten sich mir sowohl als gräßlich großer Krater, als auch in Form von Seen, deren Charme ausbaufähig ist.
Nachdem bisher alles weitestgehend flach gewesen war, gehörten am Samstag u.a. Steigungen zum Gesamtpaket, das der Micha geschnürt hatte. Eine Tour durchs Zittauer/ Lausitzer Gebirge - vorwiegend auf tschechischer Seite. Und diese Tour war traumhaft. Schon bald nach dem Grenzübertritt war zu spüren, dass das Leben im ländlichen Tschechien anderen Taktzahlen folgt. Alles lief etwas gemächlicher ab, die Leute ließen sich ein paar Minuten mehr Zeit für ihre Tätigkeiten oder genossen den Müßiggang und konnten schon mal den Hühnern beim Straße überqueren zuschauen. Die Dörfer passten zu diesem Bild. Sie machten nicht den Eindruck, dass stets die DIN-Vorschriften beachtet werden, was ihnen Charme verlieh und Sterilität vermissen ließ. Natürlich sah die Architektur in den Städten schon etwas differenzierter aus. Dort gesellten sich die sozialistischen Betonklötzer hinzu und die heute wie eine Karrikatur wirken. Das Gebirge besteht aus Sandstein und so zählten zu den weiteren Highlights anthropogen beeinflusste Höhlen. Zum gab es da diese Rockerhöhle und zum anderen einen Gewölbekeller. Erstere ist von Motorradjunkies zu einem Treffpunkt mit Bar, Sitzgelegenheiten, Parkplatz und Tanzfläche ausgebaut worden. Wie gesagt, alles in der Höhle. Wir waren die einzigen Radfahrer zwischen ca. 40 Bikern. Isolation. Bei letzterer muss einen Gotikfreak die Meißellust gepackt haben. Die Höhle wirkte wie ein riesiger Gewölbekeller, der kein Ende zu nehmen schien.
Am Ende des Tages machte auch der Blick auf den Tacho zufrieden. 95 km und damit 335 km in drei Tagen. Ganz respektabel eigentlich, wobei es ja nicht auf die Kilometer, sondern auf die Erlebnisse ankommt. Trotzdem bin ich damit in drei Tagen 35 Kilometer mehr Rad gefahren als der Durchschnittsdeutsche. Erschreckend.
Sonntag = Abreisetag. Jedoch erst am Nachmittag, also blieb noch Zeit für eine Tour. Ziel diesmal: den geheimen Zugang zur Klosterruine Oybin zu finden, der im Mittelalter bei einer Belagerung als Versorgungsweg genutzt wurde. Nach nicht allzulanger Suche und dem Abwägen der zur Verfügung stehenden Optionen, blieb nach dem Ausscheidungsverfahren nur ein Zugang übrig. Völlig klar, dass dieser kletternd erforscht werden musste. Es war fürchterlich steil, unglaublich sandig und barfuß am besten zu meistern. Glücklicherweise sind wir wieder heil hinunter gekommen oder anders ausgedrückt: kontrollierter Wagemut.
Bilder sind im Ordner Zittau.
Die Tour verlief konsequent erst an der Oder, anschließend an der Neiße, so wie sich das für den Oder-Neiße-Radweg auch gehört. Vorbei an Ruinen des Sozialismus in Eisenhüttenstadt, Guben und Forst. Die Städte machten einen unterschiedlichen Eindruck, was wahrscheinlich zum Großteil an meinen Durchfahrtzeiten lag. Während mir in Eisenhüttenstadt die zementierten Zeitzeugen der DDR schon von Weitem trostlos entgegen blickten und auch in Fürstenberg (dem alten Stadtkern Eisenhüttenstadts, denn die Stadt trägt erst seit 1961 nach Zusammenlegung von Fürstenberg, Schönfließ und des neu errichteten Wohnviertels Stalinstadt ihren Namen) kaum eine Menschenseele zu sehen war, ist auch in Guben nicht viel Leben zu spüren gewesen - eher noch weniger, wie ausgestorben. Mittagszeit. Ganz anders das Bild in Forst, ein sonnendurchfluteter Nachmittag trieb die Leute an die Neiße und reges Treiben bestimmte das Atmosphäre in den Straßen.
Die zahllosen zerstörten Brücken entlang von Oder und Neiße erinnerten an die Schrecken des 2. Weltkrieges und die zu Hauf patrouliierenden Polizeiautos daran, dass Schlepper und Schmuggler auch abseits der Brücken Wege über den Fluss finden.
Am ersten Tag wollte ich 2/3 der Strecke schaffen und nahm mir demzufolge 150 Kilometer vor. Mir war klar, dass das spät werden könnte. In der Dämmerung erreichte ich Bad Muskau und den sensationellen Landschaftspark des Fürst Pückler (genau, auch Namensgeber für die heilige Dreifaltigkeit der Eiscrème). 30 Kilometer bis zum Camping lagen noch vor mir. Es wurde nicht spät, sonder sehr spät, v.a. nachdem ich mich auch noch verfahren hatte und plötzlich vor einem Schlagbaum stand, dem ein Warnschild Gesellschaft leistete. Sinngemäß war darauf zu lesen - Truppenübungsplatz, Betreten ist untersagt. Vorsicht Blindgänger. Als Alternative hatte ich mir zwar überlegt illegal in der Heide zu nächtigen, nur sollte das möglichst nicht auf einem vergessenen Blindgänger passieren. Gegen 10 Uhr hatte mich schließlich die Lust verlassen bis zum Campingplatz zu fahren und packte mich wild entschlossen in die Botanik.
Am nächsten Tag sollte sich herausstellen, dass das eine feine Entscheidung war, denn der vermeintliche Campingplatz war nicht mehr existent und an der Straße offenbarte sich der Siedlungsbrei auf fünf Kilometer Länge.
Ich war kein bisschen K.O. von der Distanz des Vortags. Die Beine fühlten sich sehr gut an, 1800 km während des Praktikums in Bielefeld machten sich positiv bemerkbar. Der Arsch tat trotzdem weh.
Weiter ging's durch das von einem 1-Millio-Euro-per-Anno-Mäzen gesegnete Görlitz durch die Klosteranlage St. Marienthal nach Zittau. Mittlerweile befand ich mich im Braunkohleabbaugebiet. Die Tagebaue präsentierten sich mir sowohl als gräßlich großer Krater, als auch in Form von Seen, deren Charme ausbaufähig ist.
Nachdem bisher alles weitestgehend flach gewesen war, gehörten am Samstag u.a. Steigungen zum Gesamtpaket, das der Micha geschnürt hatte. Eine Tour durchs Zittauer/ Lausitzer Gebirge - vorwiegend auf tschechischer Seite. Und diese Tour war traumhaft. Schon bald nach dem Grenzübertritt war zu spüren, dass das Leben im ländlichen Tschechien anderen Taktzahlen folgt. Alles lief etwas gemächlicher ab, die Leute ließen sich ein paar Minuten mehr Zeit für ihre Tätigkeiten oder genossen den Müßiggang und konnten schon mal den Hühnern beim Straße überqueren zuschauen. Die Dörfer passten zu diesem Bild. Sie machten nicht den Eindruck, dass stets die DIN-Vorschriften beachtet werden, was ihnen Charme verlieh und Sterilität vermissen ließ. Natürlich sah die Architektur in den Städten schon etwas differenzierter aus. Dort gesellten sich die sozialistischen Betonklötzer hinzu und die heute wie eine Karrikatur wirken. Das Gebirge besteht aus Sandstein und so zählten zu den weiteren Highlights anthropogen beeinflusste Höhlen. Zum gab es da diese Rockerhöhle und zum anderen einen Gewölbekeller. Erstere ist von Motorradjunkies zu einem Treffpunkt mit Bar, Sitzgelegenheiten, Parkplatz und Tanzfläche ausgebaut worden. Wie gesagt, alles in der Höhle. Wir waren die einzigen Radfahrer zwischen ca. 40 Bikern. Isolation. Bei letzterer muss einen Gotikfreak die Meißellust gepackt haben. Die Höhle wirkte wie ein riesiger Gewölbekeller, der kein Ende zu nehmen schien.
Am Ende des Tages machte auch der Blick auf den Tacho zufrieden. 95 km und damit 335 km in drei Tagen. Ganz respektabel eigentlich, wobei es ja nicht auf die Kilometer, sondern auf die Erlebnisse ankommt. Trotzdem bin ich damit in drei Tagen 35 Kilometer mehr Rad gefahren als der Durchschnittsdeutsche. Erschreckend.
Sonntag = Abreisetag. Jedoch erst am Nachmittag, also blieb noch Zeit für eine Tour. Ziel diesmal: den geheimen Zugang zur Klosterruine Oybin zu finden, der im Mittelalter bei einer Belagerung als Versorgungsweg genutzt wurde. Nach nicht allzulanger Suche und dem Abwägen der zur Verfügung stehenden Optionen, blieb nach dem Ausscheidungsverfahren nur ein Zugang übrig. Völlig klar, dass dieser kletternd erforscht werden musste. Es war fürchterlich steil, unglaublich sandig und barfuß am besten zu meistern. Glücklicherweise sind wir wieder heil hinunter gekommen oder anders ausgedrückt: kontrollierter Wagemut.
Bilder sind im Ordner Zittau.
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